Vergabestatistik 1. Halbjahr 2026: 89.549 Ausschreibungen, jede fünfte mit nur einem Bieter
Wir haben alle Bekanntmachungen des Datenservice Öffentlicher Einkauf von Januar bis Juni 2026 ausgewertet.
Vergabepilot.AI Redaktion
Das Team hinter der KI für Ausschreibungen
8. Oktober 2026
7 Min. Lesezeit

Bei 1.578 Losen aus 805 Vergabeverfahren ging im ersten Halbjahr 2026 kein einziges Angebot ein. Budget stand bereit, der Bedarf war beschrieben, das Verfahren lief. Es hat sich niemand beworben.
Diese Zahl stammt aus einer Auswertung aller Bekanntmachungen, die der Datenservice Öffentlicher Einkauf zwischen Januar und Juni 2026 veröffentlicht hat. Wir haben die Rohdaten ausgewertet, damit ihr das nicht machen müsst. 😉 Alle Zahlen, die Methodik und die Grenzen der Daten stehen unten.
Jede fünfte Vergabe hat genau einen Bieter
Von 21.055 Losen mit mindestens einem Angebot hatten 4.477 genau ein Angebot. Das sind 21,3 Prozent. Diese Angabe stammt fast vollständig aus Verfahren oberhalb der EU-Schwellenwerte und gilt nicht für den gesamten deutschen Vergabemarkt. Der Median liegt bei drei Angeboten, der Durchschnitt bei fünf.
Zwischen den Branchen liegen Welten. Bei Bauleistungen hat nur jede elfte Vergabe einen einzelnen Bieter, neun Prozent. Bei Softwarepaketen sind es 47 Prozent, bei Labor- und Messtechnik 63 Prozent. Bei IT-Dienstleistungen liegt der Median bei zwei Angeboten, das heißt: In der Hälfte aller Fälle gibt es höchstens einen Konkurrenten.
Der Markt ist also nicht überlaufen, sondern ungleich besetzt. Wo viele bieten, bieten sehr viele. Wo wenige bieten, bietet fast niemand.
Wenn gar niemand bietet
3.793 von 43.426 abgeschlossenen Losen wurden ohne Zuschlag beendet, 8,7 Prozent. Der häufigste gemeldete Grund ist nicht Formalie und nicht Widerspruch, sondern ein leerer Posteingang: In 1.578 Fällen ging kein Angebot ein.
Am häufigsten passiert das in der Medizintechnik, wo 17,7 Prozent der Lose ohne Zuschlag enden, und bei Bildung und Schulung mit 15,9 Prozent. Im Bau ist die Quote dagegen niedrig.
Für Unternehmen, die in diesen Feldern arbeiten, steht da eine unangenehme Zahl. Jedes sechste Los in der Medizintechnik scheitert, und der Auftrag wird später neu ausgeschrieben oder gar nicht vergeben.
Der typische Auftrag ist kein Großprojekt
Der Median-Auftragswert liegt bei €258.693. Der Durchschnitt liegt deutlich darüber, weil einzelne sehr große Vergaben ihn nach oben ziehen. Der Median ist deshalb die aussagekräftigere Zahl.
Dazu passt, wer gewinnt: 83,2 Prozent der 5.129 Zuschlagsempfänger mit gemeldeter Größenangabe sind Kleinst-, kleine oder mittlere Unternehmen. Fasst man sie zu eindeutigen Firmen zusammen, sind es rund 85 Prozent. Öffentliche Aufträge sind Mittelstandsgeschäft, nicht Konzerngeschäft.
Wo ausgeschrieben wird
Jede zweite Ausschreibung ist eine Bauleistung, 44.902 von 89.549. Mit deutlichem Abstand folgen Architektur und Ingenieurwesen mit 8.511. Danach wird es schnell dünn: Reparatur und Wartung kommt auf 3.793, IT-Dienstleistungen auf 1.858, Softwarepakete auf 1.387.
Absolut führen die großen Flächenländer, Nordrhein-Westfalen mit 13.985 und Bayern mit 11.381. Gemessen an der Einwohnerzahl sieht es anders aus: Sachsen liegt mit 1.759 Ausschreibungen je Million Einwohner vorn, dahinter Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.
Am meisten schreibt die DB InfraGO aus, 867 Bekanntmachungen in sechs Monaten. Das ist fast so viel wie das gesamte Saarland mit 959.
Strategische Ziele wie Nachhaltigkeit werden selten ausgewiesen
Bei 6,1 Prozent aller Lose weist die Bekanntmachung ein strategisches Ziel aus, also ein umweltbezogenes, soziales oder innovationsbezogenes. Umwelt steht bei 8.135 Losen, soziale Ziele bei 5.210, Innovation bei 513.
Interessanter ist, was die übrigen Angaben enthalten. 114.998 Lose tragen ausdrücklich den Wert "keine". Das ist kein Vergessen, sondern eine Angabe. Weitere 59.588 Lose machen zu diesem Punkt gar keine Angabe.
Was die Daten nicht zeigen: ob Nachhaltigkeitsanforderungen trotzdem in der Leistungsbeschreibung stehen, ohne im Formular markiert zu sein. Dafür spricht, dass das Feld für die konkreten Umweltkriterien nur 199 Mal gefüllt ist, bei 8.135 Losen mit ausgewiesenem Umweltziel. Die Zahlen messen also, was bekannt gemacht wird, nicht zwingend, was gefordert wird.
Häufige Fragen
Methodik und Grenzen
Die Rohdaten sind öffentlich und können beim Datenservice Öffentlicher Einkauf heruntergeladen werden. Bei Rückfragen zur Methodik oder wenn ihr eine Auswertung für eine bestimmte Branche oder ein Bundesland braucht: team@vergabepilot.ai
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Hinter diesem Artikel steht das Team von Vergabepilot.AI — Produktmanagement, Vergabe-Expertinnen und Entwickler der Ciconia Systems GmbH. Wir schreiben über Produktneuerungen und alles, was den Vergabealltag im Mittelstand leichter macht.
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