Blog
Grundlagenwissen

Vergabestatistik 1. Halbjahr 2026: 89.549 Ausschreibungen, jede fünfte mit nur einem Bieter

Grundlagenwissen

Vergabestatistik 1. Halbjahr 2026: 89.549 Ausschreibungen, jede fünfte mit nur einem Bieter

Wir haben alle Bekanntmachungen des Datenservice Öffentlicher Einkauf von Januar bis Juni 2026 ausgewertet.

Vergabepilot.AI Redaktion

Vergabepilot.AI Redaktion

Das Team hinter der KI für Ausschreibungen

8. Oktober 2026

7 Min. Lesezeit

Vergabestatistik: Jede fünfte öffentliche Vergabe hat nur einen Bieter, 21,3 Prozent der Lose mit gemeldeter Angebotszahl im 1. Halbjahr 2026

Bei 1.578 Losen aus 805 Vergabeverfahren ging im ersten Halbjahr 2026 kein einziges Angebot ein. Budget stand bereit, der Bedarf war beschrieben, das Verfahren lief. Es hat sich niemand beworben.

Diese Zahl stammt aus einer Auswertung aller Bekanntmachungen, die der Datenservice Öffentlicher Einkauf zwischen Januar und Juni 2026 veröffentlicht hat. Wir haben die Rohdaten ausgewertet, damit ihr das nicht machen müsst. 😉 Alle Zahlen, die Methodik und die Grenzen der Daten stehen unten.

Die wichtigsten Zahlen, Januar bis Juni 2026. Quelle: Datenservice Öffentlicher Einkauf, H1 2026, Auswertung Vergabepilot.AI

Jede fünfte Vergabe hat genau einen Bieter

Von 21.055 Losen mit mindestens einem Angebot hatten 4.477 genau ein Angebot. Das sind 21,3 Prozent. Diese Angabe stammt fast vollständig aus Verfahren oberhalb der EU-Schwellenwerte und gilt nicht für den gesamten deutschen Vergabemarkt. Der Median liegt bei drei Angeboten, der Durchschnitt bei fünf.

Zwischen den Branchen liegen Welten. Bei Bauleistungen hat nur jede elfte Vergabe einen einzelnen Bieter, neun Prozent. Bei Softwarepaketen sind es 47 Prozent, bei Labor- und Messtechnik 63 Prozent. Bei IT-Dienstleistungen liegt der Median bei zwei Angeboten, das heißt: In der Hälfte aller Fälle gibt es höchstens einen Konkurrenten.

Branchen mit mindestens 200 Losen, Verfahren oberhalb der EU-Schwellenwerte. Quelle: Datenservice Öffentlicher Einkauf, H1 2026, Auswertung Vergabepilot.AI

Der Markt ist also nicht überlaufen, sondern ungleich besetzt. Wo viele bieten, bieten sehr viele. Wo wenige bieten, bietet fast niemand.

21.055 Lose mit mindestens einem Angebot. Quelle: Datenservice Öffentlicher Einkauf, H1 2026, Auswertung Vergabepilot.AI

Wenn gar niemand bietet

3.793 von 43.426 abgeschlossenen Losen wurden ohne Zuschlag beendet, 8,7 Prozent. Der häufigste gemeldete Grund ist nicht Formalie und nicht Widerspruch, sondern ein leerer Posteingang: In 1.578 Fällen ging kein Angebot ein.

Am häufigsten passiert das in der Medizintechnik, wo 17,7 Prozent der Lose ohne Zuschlag enden, und bei Bildung und Schulung mit 15,9 Prozent. Im Bau ist die Quote dagegen niedrig.

Nur Branchen mit mindestens 300 abgeschlossenen Losergebnissen. Quelle: Datenservice Öffentlicher Einkauf, H1 2026, Auswertung Vergabepilot.AI

Für Unternehmen, die in diesen Feldern arbeiten, steht da eine unangenehme Zahl. Jedes sechste Los in der Medizintechnik scheitert, und der Auftrag wird später neu ausgeschrieben oder gar nicht vergeben.

Der typische Auftrag ist kein Großprojekt

Der Median-Auftragswert liegt bei €258.693. Der Durchschnitt liegt deutlich darüber, weil einzelne sehr große Vergaben ihn nach oben ziehen. Der Median ist deshalb die aussagekräftigere Zahl.

Dazu passt, wer gewinnt: 83,2 Prozent der 5.129 Zuschlagsempfänger mit gemeldeter Größenangabe sind Kleinst-, kleine oder mittlere Unternehmen. Fasst man sie zu eindeutigen Firmen zusammen, sind es rund 85 Prozent. Öffentliche Aufträge sind Mittelstandsgeschäft, nicht Konzerngeschäft.

Wo ausgeschrieben wird

Jede zweite Ausschreibung ist eine Bauleistung, 44.902 von 89.549. Mit deutlichem Abstand folgen Architektur und Ingenieurwesen mit 8.511. Danach wird es schnell dünn: Reparatur und Wartung kommt auf 3.793, IT-Dienstleistungen auf 1.858, Softwarepakete auf 1.387.

Absolut führen die großen Flächenländer, Nordrhein-Westfalen mit 13.985 und Bayern mit 11.381. Gemessen an der Einwohnerzahl sieht es anders aus: Sachsen liegt mit 1.759 Ausschreibungen je Million Einwohner vorn, dahinter Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Am meisten schreibt die DB InfraGO aus, 867 Bekanntmachungen in sechs Monaten. Das ist fast so viel wie das gesamte Saarland mit 959.

Strategische Ziele wie Nachhaltigkeit werden selten ausgewiesen

Bei 6,1 Prozent aller Lose weist die Bekanntmachung ein strategisches Ziel aus, also ein umweltbezogenes, soziales oder innovationsbezogenes. Umwelt steht bei 8.135 Losen, soziale Ziele bei 5.210, Innovation bei 513.

Interessanter ist, was die übrigen Angaben enthalten. 114.998 Lose tragen ausdrücklich den Wert "keine". Das ist kein Vergessen, sondern eine Angabe. Weitere 59.588 Lose machen zu diesem Punkt gar keine Angabe.

Was die Daten nicht zeigen: ob Nachhaltigkeitsanforderungen trotzdem in der Leistungsbeschreibung stehen, ohne im Formular markiert zu sein. Dafür spricht, dass das Feld für die konkreten Umweltkriterien nur 199 Mal gefüllt ist, bei 8.135 Losen mit ausgewiesenem Umweltziel. Die Zahlen messen also, was bekannt gemacht wird, nicht zwingend, was gefordert wird.

Häufige Fragen

Methodik und Grenzen

Die wichtigste Grenze. Nur 36,3 Prozent der Zuschlagsbekanntmachungen melden überhaupt einen Auftragswert. Die €19,1 Mrd sind deshalb eine Untergrenze, nicht das Marktvolumen.
QuelleDatenservice Öffentlicher Einkauf (oeffentlichevergabe.de), CSV-Exporte Januar bis Juni 2026 im Format eForms-DE. Enthalten sind EU-weite und nationale Bekanntmachungen.
Neue AusschreibungenBekanntmachungen vom Typ „competition“. Gezählt wird jede Bekanntmachung einmal, über ihre Erstveröffentlichung, und nur wenn diese zwischen dem 1. Januar und dem 30. Juni 2026 in deutscher Ortszeit liegt. Die Zeitstempel im Datensatz sind UTC und stehen auf lokaler Mitternacht, ohne Umrechnung landet jede Bekanntmachung einen Tag zu früh.
AuftragswerteNur Zuschläge mit gemeldetem Gesamtwert in Euro, je Vergabeverfahren dedupliziert, weil ein Verfahren denselben Wert mehrfach publiziert. Zwei Gruppen sind ausgeschlossen: Werte ab €1 Mrd, darunter ein offensichtlicher Eingabefehler von €4,1 Mrd für eine Klinik-Speisenversorgung, sowie rund 2.100 Verfahren, die als Wert null gemeldet haben. Der Nullwert-Ausschluss ist für den Median erheblich: Ohne ihn läge er bei rund €207.000 statt bei €258.693.
BieterzahlenGemeldete Angebotszahl je Los, im Wesentlichen EU-Verfahren. Nationale Verfahren melden diese Angabe selten, die Einzelbieter-Quote gilt also vor allem oberhalb der EU-Schwellenwerte.
Räumlicher BezugAusgewertet werden Bekanntmachungen deutscher Auftraggeber. Bei 95 Prozent liegt der Erfüllungsort in Deutschland, bei 4,9 Prozent ist kein Ort angegeben, und 123 Bekanntmachungen betreffen Vorhaben im Ausland, etwa in der Entwicklungszusammenarbeit. Nicht enthalten sind Ausschreibungen ausländischer Auftraggeber, auf die sich deutsche Unternehmen ebenfalls bewerben können.
BrancheCPV-Hauptcode, zweistellige Abteilung. Die Zuordnung hängt davon ab, wie sauber die Vergabestellen den Code vergeben, deshalb sind die Branchenquoten ganzzahlig angegeben.
BundeslandNUTS-Code des Erfüllungsorts. Verfahren mit mehreren Erfüllungsorten zählen in jedem Land.
KMU-QuoteAnteil an den 5.129 Zuschlagsempfängern mit gemeldeter Größenangabe, also näherungsweise je Zuschlag. Auf eindeutige Firmen zusammengefasst sind es rund 85 Prozent, der genaue Wert hängt von der Namensnormalisierung ab. Der KMU-Anteil unter allen Bietern, also Gewinnern und unterlegenen Bietern zusammen, liegt bei 76,1 Prozent.
EinwohnerzahlenDestatis, Stand Ende 2024.
Daten und Zitation
Datenservice Öffentlicher Einkauf, 1. Halbjahr 2026, Auswertung Vergabepilot.AI

Die Rohdaten sind öffentlich und können beim Datenservice Öffentlicher Einkauf heruntergeladen werden. Bei Rückfragen zur Methodik oder wenn ihr eine Auswertung für eine bestimmte Branche oder ein Bundesland braucht: team@vergabepilot.ai

Artikel teilen

Vergabepilot.AI Redaktion

Verfasst von

Vergabepilot.AI Redaktion

Hinter diesem Artikel steht das Team von Vergabepilot.AI — Produktmanagement, Vergabe-Expertinnen und Entwickler der Ciconia Systems GmbH. Wir schreiben über Produktneuerungen und alles, was den Vergabealltag im Mittelstand leichter macht.

Mehr über das Team

Newsletter

Produkt-Updates und Praxis-Guides, einmal im Monat.

Artikel teilen

Newsletter

Produkt-Updates und Praxis-Guides, einmal im Monat.

Das könnte dich auch interessieren

Alle Beiträge